ein Disneyland für Somalia

Der Countdown läuft, noch 10 Tage bis zur Fußball WM in Südafrika und mit deren Beginn  endet für mich ein Diskussionsmarathon über den Sinn und Unsinn einer solchen Veranstaltung. Vorweg möchte ich in dieser Schlussstellungnahme noch einmal anführen dass ich rein Garnichts gegen Fußball, erst recht nichts gegen eine Fußball WM habe. Das einzige was mich latent aufregt ist a) die Euphorie, das man mit solchen Veranstaltungen nur das Gute in die Welt trägt, b) das ausgerechnet Südafrika mit der WM geholfen werden kann. Dazu aber nun im Detail:

die Betriebswirtschaft:
Eine WM oder Olympiade rechnet sich nur sehr selten für die austragenden Länder. Ganz im Gegenteil. So gibt zum Beispiel Südafrika 1% seines BIP für Investitionen wie Stadien aus. Diese gigantischen Tempel stehen erfahrungsgemäß über ihre gesamte Laufzeit leer. Im besten Falle gibt ein Rockstar mal ein Konzert, das war`s dann aber auch schon. Die Betriebskosten laufen jedoch 12 Monate im Jahr weiter und die Betriebskosten für ein Stadion sind immens. Nebenbei erwähnt wird und wurde nicht nur eines gebaut.

Das Arbeitsplatzargument zählt auch nicht, denn prinzipiell schaffen Investitionen in solch astronomischen Höhen zwar Arbeitsplätze, doch eher in Europa denn im armen und gebeutelten Südafrika. Die Fifa setzt beim Bau, Betrieb und der Durchführung ihres Events höchste und komplizierteste Standards durch die afrikanische Firmen nicht halten können. Daher pilgern schon seit bekannt werden des Austragungsortes tausende europäische Firmen nach Südafrika um dort ihre Produkte und Dienstleistungen los zu werden. Schaut euch mal an wer zur WM sponsert, wer die Stadien entworfen hat, wer sie gebaut hat und von wo das Merchandising kommt…

Alles in allem bleibt Volkswirtschaftlich am Ende nur ein Pluspunkt, der das die Infrastruktur ausgebaut wurde. Doch geschieht das wie bei allen WM und Olympiaden vorher auch viel zu überdimensioniert für den normalen Alltag der Bevölkerung. Man hat also 1% des BIP verheizt, um Straßen zu bauen die so nie wieder gebraucht werden. Darüber hinaus braucht man auf Jahre viel Geld was nun an anderer Stelle fehlt um die Überkapazitäten zu unterhalten. Geschäfte werden gemacht, aber eher von Hochtief, Thyssen-Krupp, deutschen Architekten und Adidas…

Die Sicherheit ist mein nächster großer Angstpunkt. Klar zu Übergriffen kann es auf jedem Volksfest kommen, doch muss man sich bewusst machen das Afrika nach wie vor der ärmste und gewalttätigste Kontinent ist. Dazu ist es der Heimatkontinent von Al Kaida und anderen hoch gefährlichen Terrororganisationen. Über Kenia, Somalia, Uganda, Kongo und Simbabwe ist es ein Witz Waffen und schlimmeres nach Südafrika zu bringen um die an einem weltmedialen Ereignis zum Einsatz zu nutzen. Diese Gefahr sehen wohl auch befreundete Länder so und unterstützen die Südafrikanische Regierung nun seit Jahren mit Waffen, Ausbildung oder aktiver Unterstützung zu WM selbst. Das führt uns natürlich wieder zu Punkt 1 zurück… Wer bezahlt das? Jeder! Und wofür? Das adidas Geschäfte machen kann…

Die politische Lage ist dann auch mein letztes Argument. Klar weiß ich, dass Südafrika der entwickelteste der afrikanischen Staaten ist, doch eben auch immer noch von Rassenhass und der weltweit brutalsten Straßenkriminalität gezeichnet. Es gibt vom Polizeichef ausgerufene no go Areas, besondere Verhaltensanweisungen für lebensmüde Touristen, unbewachte Grenzen usw. Ja, ich weiß hier kommt das Totschlag Argument mit der „No Go Area“ in Brandenburg zur Fußball WM in Deutschland. Doch 2 Zahlen: Morde pro Jahr Deutschland 818, Südafrika 18.250!!! (und das bei einem Drittel weniger Einwohner wie Deutschland). Das Land steht in gefährlichem Fahrwasser. In Deutschland werden überwiegend nur friedliche Neger, euphorisch mit Fußball Fahnen winkend verkauft. Doch die Realität ist, das Südafrika fast erstmalig in eine Rezession gestürzt ist, Geld was in Stadien steckt, fehlt in Bildung und Gesundheitssystem. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung steigt exorbitant und nun kommen wir?!

Tja, last but not least der Sinn der WM selbst und gerade unter dem Gesichtspunkt der eben genannten Argumente. 22 Millionäre, stürzen hochgedopt einem Ball hinterher? Muss all dies dafür sein?  Instrumentalisiert die Fifa nicht Milliarden Fans für sein Geschäft? Wäre es nicht sinnvoller (wie in der Formel 1) Anlagen zu bauen, die jährlich in wiederkehrenden Großevents bespielt werden können? Warum muss eine Weltmeisterschaft von einem Land ausgetragen werden und nicht von der Welt selbst? WM Stadien gibt es ja nun genug. Ich kann es euch sagen warum, da würden viele Leute kein Geld mehr verdienen, wenn das drumherum nicht mit verkauft werden kann und genau das isses wo gegen ich bin!

So, meine Meinung ist raus, letztmalig. Bis in 4 Jahren. Ich bete zu G“tt das uns der arbeitslose Afrikaner verzeiht das wir sein Geld in unseren Spaß gesteckt haben und  das der Präsenz von Sicherheitskräften aus 80 Ländern geschuldet, Al Kaida und niemand anders die Chance bekommt auch nur 1 Menschenleben auf dieser Verkaufsveranstaltung aus zu löschen.

In diesem Sinne kommt Walt Disney hoffentlich nicht auch noch auf die Idee ein Disneyland in Somalia zu errichten…

8 Kommentare

  1. Da ich den Beitrag schon vor 4 Wochen geschrieben habe, hier noch ein aktueller Nachtrag:

    Die Hotelauslastung für die WM liegt bei nur 48% (Vorjahr 54%)

    Die Stadienauslastung sieht ähnlich katastrophal aus.

    Damit ist ein wirtschaftlicher Erfolg selbst kurzfristiger Natur wohl bereits ausgeschlossen. Der gemeine Südafrikaner kann sich die FiFa Preise letztendlich ja auch nicht leisten…

  2. „das führt uns natürlich wieder zu Punkt 1 zurück… Wer bezahlt das? Jeder! Und wofür?Das adidas Geschäfte machen kann…“

    Das seh ich als Fussballfan etwas anders! Mir ist ehrlich gesagt egal wer mit was bei der WM Geld verdient…ICH WILL FUSSBALL SEHEN. Das wirst du als Anti-Fussballer nicht verstehen…aber so denken Millionen (wenn nicht Milliarden) Menschen auf der Welt. Nenn es ignorant – fakt ist es trotzdem.

    Nebenbei gesagt ist es ja nun auch so, dass eine Bewerbung für eine Fussball-WM freiwillig ist, niemand hat Südafrika dazu gezwungen.
    Es ist die erste WM auf afrikanischen Boden. Vielleicht wollen die Leute in Südafrika ja auch einfach mal 4 Wochen abschalten, Fussball sehen…auch wenn es ihnen noch so schlecht geht! Denn den Stellenwert von Fussball in ALLEN afrikanischen Statten kann man nicht von der Hand weisen, da wird gekickt und gebolzt an jeder Ecke- und wenn es nur mit ner zertretenen Coca-Cola-Dose ist ! 🙂
    Letzendlich geht es um ein Lebensgefühl…

    Und du hast Recht – in diesem Land gibt es riesige Probleme der verschiedensten Arten…aber es könnte sein das es auch mal jemand sieht – im Spotlight der Weltmedien. Du bist ja das beste Beispiel. Schliesslich bringst du hier ja Zahlen und Fakten, die sicherlich nicht zu deinem Allgemeinwissen gehören – NEIN, die hast du dir kurzfristig angelesen. Warum? Wegen der Fussball WM… 😉

    „Warum muss eine Weltmeisterschaft von einem Land ausgetragen werden und nicht von der Welt selbst?“

    Sorry, aber da merkt man eben das du von Fussball keine Ahnung hast. Stell dir vor Deutschland, Südafrika, Australien und Kanada in einer Gruppe…sollen diese Mannschaften also jeweils zig Stunden zu einem Spiel fliegen? Eine solche WM würde dann wohl Jahre dauern^^

  3. Hallo Gerd,

    natürlich hast du Recht. Es würde letztendlich jeden von uns treffen, wenn eben diese „Industrie“ nicht mehr „rollt“.

    Fußball ist selbstverständlich ein Lebensgefühl und auch wenn ich es nicht teile weiß ich doch das es zu meiner Heimat gehört wie die Kirchtürme und die ARD und dafür liebe ich es schon fast wieder.

    Sicherlich hast du auch Recht mit meiner alternativen Ausführung zur WM, aber dazu fehlt mir sicherlich das Hintergrundwissen 😀

    Doch was ich eben kritisiere ist die Art der Ausrichtung- bei der nichts für Südafrika rausspringt und damit natürlich auch der Austragungsort an sich.

    Wie man in der SZ die TAge liest, nimmt das Desaster auch tatsächlich bereits seinen Lauf:
    http://www.sueddeutsche.de/sport/wm-in-suedafrika-die-fussballfans-bleiben-weg-1.952070

    Kurzum: Fußball JA, WM erst Recht, Vergnügen, Spaß und Volksfest- na immer, aber dafür müssen wir doch kein gebeuteltes Entwicklungsland ausnehmen, oder?

  4. Das es dort nicht soviele Fussballfans wie z.B. bei der WM in Deutschland gibt, ist einfach mit der geografischen Lage des Landes zu begründen. Deutschland liegt nunmal gut erreichbar für jeden Fussballfan (Europa ist nunmal Fussball-Hochburg) inmitten Europas.
    Außerdem…welcher normalverdienende Europäer kann sich nen 4 Wochen Südafrika Urlaub leisten? Da scheitert es schon am Flugticket 😛
    Und zur Zeit ist es dort sogar noch kälter als hier….und das will was heißen….

    Ich weiß auch nicht ob man in diesem Fall von „ausnehmen“ sprechen kann. Wie ich schon sagte – Südafrika hat sich beworben und eben den Zuschlag bekommen.
    Das diese Bewerbung nicht von den Menschen in z.B. Soweto gestellt wurde ist auch klar…denn wenn man um sein essen kämpfen muss hat man andere Dinge im Kopf.
    Aber was wäre denn die Alternative? Die Vergabe einer Weltmeisterschaft unter Ausschluss des schwarzen Kontinents?

  5. Naja, man kann glaube ich schon davon sprechen das die WM IN Afrika FÜR Europäer gemacht wurde. Das sieht man auch an der Wut der Südafrikaner über die Ticketpreise.

    Ich glaube Ausschluss des schwarzen Kontinentes klingt ein wenig hetzerisch :D, aber sicherlich sollte man sich bei der Wahl schon an gewissen moralische Grundsätze halten.

    Aber ich muss mal zu geben, das ich da auch ein Recht enges Moralkorsett trage. Ich bin genauso gegen Jagdsafari in Kenia, Whalewatching in Australien, oder Kultururlaub in Syrien 😀

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