Skandal ohne Aufschrei

Samstagabend, RTL- Nachrichten. Es flimmert ein kleiner, unscheinbarer Beitrag über „Analog Käse“, eingesetzt von einem beträchtlichen Teil der Lebensmittelindustrie. Gemeint ist, das in vielen Produkten- vom Käsebrötchen bis zur Pizza, kein Käse mehr eingesetzt wird, sondern lediglich ein Gemisch aus Eiweiß, Geschmacksverstärker und anderen Chemikalien. 2-3 Minuten und der Beitrag ist vorbei, die Masse der Zuschauer hat ihn bald auch schon wieder vergessen und angesprochen auf dieses Thema entgegnet mir jeder: „ach ja, das hab ich auch schon gehört, das machen die wohl schon lange so…“

Mal ganz ehrlich, sind wir eigentlich alle bescheuert? Wenn ich als Geschäftsführer morgen vergesse ne Quittung für eine Briefmarke ins Kassenbuch ein zu tragen, dreht mir da ein findiger Staatsanwalt ein Untreue-, Unterschlagungs- und Steuerhinterziehungsdelikt ins Kreuz. So mancher kleine Taschendieb durfte schon Haftstrafen absitzen weil er Rasierklingen geklaut hat, doch ein Skandal in diesem Ausmaße bleibt nicht nur ungesühnt, sondern auch unbeachtet?

Ich meine wovon reden wir hier überhaupt? Nach aktuellen Zahlen stehen 30% der Milchbauern vorm Bankrott. Die von der Weltbank angekündigte Lebensmittelkrise wird dadurch stark beschleunigt. Möglich ist dies eben unter anderem dadurch, dass sich die Industrie den Einkauf teurer Milchprodukte spart in dem sie Ersatzprodukte mischt und den Verbraucher darüber im Unklaren lässt. Wir reden also über einen Betrug im Milliardenbereich, über die Gefährdung Zehntausender Arbeitsplätze und vielleicht sogar noch über gefährliche Körperverletzung. Denn wer ein Käsebrötchen kauft geht eigentlich ohne weitere Prüfung davon aus, dass es sich bei dem gelben Belag eben um Käse und nicht Chemie handelt, gegen die er vielleicht allergisch ist.

Normalerweise rechtfertigt ein solcher Skandal, dass sofort Hausdurchsuchungen bei allen beteiligten Unternehmen stattfinden, alle involvierten Unternehmen und Manager sollten bis zur Klärung in U-Haft genommen werden. Das ist die einzig richtige Antwort. Foodwatch fordert nun eine Kennzeichnungspflicht. Doch was ist das wieder für ein Schwachsinn? Unsere Lebensmittel sind mit Kennzeichen, Prüf- und Pseudo Qualitätssiegeln völlig überflutet. Die beachtet kein Schwein mehr. Wenn kein Käse drin ist, kann es auch nicht Käse heißen. Basta. Die einzig richtige Kennzeichnung für ein Käsebrötchen mit sogenannten „analog Käse“ wäre- Brötchen mit Chemiekalienbelag in Käseoptik. Wo bleibt nun die Justiz? Wo die Gerechtigkeit? Auf der Strecke natürlich, denn die Lebensmittelindustrie schmiert bestimmt wesentlich besser wie wir es alle zusammen je könnten…

4 Kommentare

  1. Glaub ich kaum. Wenn ein kleiner Spinner bei eBay einen Artikel bewirbt und dann nur den Karton verschickt- ist das Betrug. Die Typen werden meist auch (völlig zu Recht) mit Knast belegt. Diese kleinen Betrüger haben diesem Falle aber eines vorraus- sie schreiben meist irgendwo in der Auktion „Sie bieten nur auf die Verpackung“- zwar in Schriftgröße 2 aber der Kunde hätte es mit Glück sehen können.

    Im oben beschriebenen Falle liegt die Sache anders- der Kunde kann es beim besten Willen nicht sehen, auch die Bezeichnung analogKäse wäre irreführend und der Schaden des Betruges geht mit Sicherheit in die Milliarden. Da die Lebensmittelindustrie jedoch eine Lobby hat und sogar von Ministerien wie dem für Verbraucherschutz gedeckt werden, wird niemand bestraft. Ganz toll unser Land, ganz toll.

    Da fällt mir noch ein schöner Spruch ein den ich jetzt mal auf einem Transparent gelesen habe:

    „Nicht die Demokratie ist schlecht, sondern ihr Zustand“

  2. Ich finde auch, dass man bei Lebensmitteln nicht „zu eng“ sehen kann. Eine Kennzeichungspflicht ist zwar schon mal ein Anfang, aber wer bitteschön hat denn Zeit beim Einkaufen zwei Stunden extra einzuplanen, um die ganzen Kennzeichnungen und Prüfsiegel zu studieren. Wenn es sich nicht um Käse handelt, dann darf es schlichtweg auch nicht Käse genannt werden.

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