Unlängst beschloss die CDU/FDP-Koalition die Aussetzung der Wehrpflicht. Dies bedeutet gleichzeitig das (vorübergehende?) Ende des Zivildienstes. Sofort meldeten zahlreiche Einrichtungen berechtigte Kritik an und gaben zu bedenken, dass mit dieser Neuregelung eine Vielzahl von Aufgaben, die bisher von Zivildienstleistenden abgedeckt wurden, nicht mehr abgesichert sind. Die Bundesregierung konterte mit demVorschlag, dies könne doch von Jugendlichen im Rahmen einer freiwilligen Tätigkeit erfolgen. Da man in Berlin wahrscheinlich die deutsche Jugend und ihre Bereitschaft zu sozialem Engagement kennt, verknüpfte man diesen angedachten Dienst dann doch mit einer Vergütung. Interessanterweise fällt hier auf, dass es laut Medienberichten auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung noch Unterschiede in der Entlohnung geben sollte. Aufgrund erheblicher Proteste ruderte man in Berlin zurück und plant wohl nun den Freiwilligendienst deutschlandweit gleich zu honorieren.

Natürlich ist es generell löblich, Jugendlichen die Möglichkeit zum sozialen Engagement zu geben. Es stellt sich jedoch die Frage, warum man das große Heer der (Langzeit)Arbeitslosen hier nicht mit ins Boot holt. Auf diese Weise könnten erhebliche Kosten eingespart werden. Arbeitslose, Hartz Vier-und sonstige Sozialhilfeempfänger leben bei uns, im Vergleich zu anderen Ländern, in einer gewissen Sicherheit. Die staatlichen Zahlungen gehen ohne größeres persönliches Zutun pünktlich und regelmäßig ein. Natürlich ist dies eine Errungenschaft unseres Sozialstaates, die es auch nicht abzuschaffen gilt. Es sollte jedoch nicht zu viel verlangt sein, für diese aus Steuergeldern finanzierte Absicherng des Lebensunterhaltes auch unter Umständen einige Gegenleistungen zu erbringen. In der Vergangenheit beschränkten sich diese lediglich auf die Teilnahme an (von vornherein nutzlosen) Kursen, an denen sich nur diverse Bildungs- und Umschulungsinstitutionen eine goldene Nase verdienen. Im eigenen Bekanntenkreis des Verfassers gibt es Beispiele von Mitvierzigern, die seit der Wende, als seit nunmehr 20 Jahren, keinen Tag gearbeitet haben. Es ist einfach nur unverständlich, dass in all dieser Zeit kein Jobangebot vom Amt kam oder dass (im Falle einer Ablehnung von Angeboten) ernsthafte Konsequenzen erfolgen. Vielleicht sind diese Beispiele aber auch längst Bestandteil der geschönten und frisierten Arbeitsmarktstatistiken der Bundesregierung. Solange man als Langzeitarbeitsloser aber zweimal jährlich Flugreisen ins Ausland unternehmen kann, zweifelt man als normaler Steuerzahler an der Gerechtigkeit unseres Systems. Legt man schließlich den 20 Jahren Untätigkeit den ALGII-Regelsatz zugrunde, kommt man auf die stolze Summe von über 86.000 Euro. Und das ganz ohne Gegenleistung. Nicht schlecht, dafür muss eine alte Frau lange stricken.

Warum sollten also solche Leute, anstatt ihre Zeit zuhause oder in sinnlosen Maßnahmen der ARGE abzusitzen, nicht einmal ein paar Monate in Krankenhäusern oder Altenheimen mithelfen? Ob alten Leuten vorlesen oder mit ihnen spazieren gehen, ob Essen an Patienten austeilen – Arbeit gibt es genung.  Eine entsprechende fachliche Einarbeitung kann ja gerne in geförderten Kursen erfolgen und ist allemal effektiver, als zum sechsten Mal ein Seminar zum Thema „Wie bewerbe ich mich richtig?“ über sich ergehen zu lassen. Vielleicht wäre eine solcher Dienst an der Gemeinschaft nicht nur ein Weg für Leistungsbezieher, der Gesellschaft  etwas zurück zu geben, sondern unter Umständen auch ein Sprungbrett aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Da gerade in unserer alternden Gesellschaft zukünftig ein enormer Bedarf an Arbeitskräften im Pflegebereich erforderlich sein wird, wäre ein Umdenken in diese Richtung sehr begrüßenswert. Inwiefern dies in unserem Land jedoch realistisch ist, wird sich zeigen. Momentan zumindest höre ich schon die Unkenrufe einschlägiger Parteien und Verbände, die jeglichen Eingriff in die heile Hartz-Vier-Welt als Diskriminierung verteufeln.

[Trigami-Review]
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