Ich bin da.
Bebend, schlagend, wehend, sanft streichelnd.
Ich gebe Kraft.
Gebe vor, ziehe mit, lass erstarren und beende.
Ich bin flink wie der Wind und doch nur ein Hauch.
Gebe Atem, gebe Kraft, bin der Raum und die Freiheit.
Bin das Wissen der Zeit und der Speicher der Geister.

Ich fliege, spüre das auf und ab der Ströme. Ich genieße das kribbeln der Geschwindigkeit. Unter mir rast die Stadt, Verkehr, Busse und Bahnen.
Der Asphalt glüht, Motoren dröhnen, der Puls des Zentrums überdreht. Über den Park, die Bürogebäude, die Villen und die Mietskasernen, hinweg über parkende Autos, rüber zu dem alten Wohnblock.
Ein zugiger Spalt in einem alten Fenster.

Eine muffige Küche. Altbacken eingerichtet. Zusammengewürfelte Stühle und Möbel. Alte Emailtöpfe, gehäkelte Topflappen, dazwischen Dosen mit fertigen Spagetti. Unabgewaschenes Geschirr in der Spüle, der Tisch speckig und karg gedeckt. Es riecht leicht verbrannt.

Am Tisch eine junge Frau und ein Mann. Sie schweigen, essen. Die Löffel klingen hell beim berühren der Teller.
„kling, kling“

„ich weiß wirklich nicht wie ich das schaffen soll“ sagt die Frau.
Der Mann schweigt, schaut nicht, isst weiter.

„kling, kling“
Die Frau schaut wieder auf ihren Teller, isst.

Hinweg, hinfort, aus dem Fenster hinaus, hoch, auf in die Lüfte.
Hinweg, hinfort über Block, parkende Autos, die Mietskasernen und den Park.

[Trigami-Review]

Vor gar nicht allzu langer Zeit, habe ich hier meinen Umzug in die Schweiz angekündigt und weitere Details versprochen. Hier nun mein ausführlicher, bebilderter Umzugsbericht.

Alles begann an einem Freitagmorgen, an dem ich die Website der Schweizer Post www.swisspostbox.com besuchte. Dort stieß ich auf einen atemberaubenden Service. Ich nenne es mal einfach vollmundig „Post 2.0“. Wie das gehen soll? Ganz einfach. Man registriert sich für den Swiss Post Box- Dienst und sucht sich eine repräsentative (dann aufpreispflichtige), oder einfache (kostenfreie) Schweizer Postadresse heraus. Im weiteren Verlauf gibt man seine persönlichen Daten an und hat schon am nächsten Tag ein Willkommenspaket der Schweizer Post in seinem Briefkasten. Darin befindet sich dann das Zugangspasswort zu seinem neuen Swiss Post Box- Postfach. Als letzter Schritt ist noch die beiliegende Identitätsbescheinigung aus zu füllen, über die lokale Postfiliale zu verifizieren, ab zu schicken- fertig.

Und nun? Jetzt steht einem der Weg zum Briefverkehr des neuen Jahrtausends offen. Die neue Schweizer Postadresse kann nach Wahl kommuniziert werden. In meinem Falle lasse ich ab sofort sämtliche wichtige und den Autor betreffende Post, an die neue Schweizer Adresse schicken.

Wenn nun eine Sendung an eben dieser Adresse ankommt, geht diese in ein schweizer Briefzentrum, in dem der Brief unverzüglich in der Außenansicht gescannt wird. Dieser Scan wird mir in Sekundenschnelle zu gemailt und in der Online- Postbox abgelegt. Schon via Mobiltelefon kann ich nun sehen, dass eben ein Brief eingegangen ist. Anhand des Absenders kann ich nun per Knopfdruck entscheiden, was weiter geschehen soll- öffnen, schreddern, oder an eine andere Postadresse weiterleiten. Wenn ich schreddern drücke, wird der Brief ohne vorherige Öffnung von der Schweizer Post, den unerbittlichen Zähnen eines Reißwolfes zugeführt. Natürlich drücke ich aber doch „öffnen“. Wenige Minuten später ist der Brief dann auch  geöffnet, gescannt und erneut auf meinem Handy/ Laptop angezeigt. Nachdem ich nun so meine Post bearbeitet habe, stehen mir weiterhin die Möglichkeiten frei den Brief zu schreddern, zu drucken, weiter zu leiten oder online auf alle Zeiten zu archivieren.


Zum Abruf stehen auch mobile Applikations, wie zum Beispiel für das iPhone zur Verfügung.

Wozu das Ganze? Nun ja, bei näherer Betrachtung sind die Vorteile bahnbrechend. Egal wie lange, oder wie oft man unterwegs ist. Seine Post hat man immer zur Stelle. Darüber hinaus gibt es kein Ordnerwälzen mehr, um einen Rentenbescheid aus dem letzen Jahr zu suchen. Einfach online klicken- drucken- fertig. Auch als Postumleitung macht dieses System Sinn. Last but not least gibt es genügend Berufe, Firmen, oder Personen die Wert auf eine repräsentative Adresse legen müssen, oder wollen. Das ist der Briefverkehr der Zukunft. Ich bin dabei der völligen Überzeugung, dass diese Art der Postdienstleistung in den nächsten Jahren zum Usus im Briefverkehr wird. Man darf also gespannt sein.

Hier noch ein sehr guter Film zu dem Thema: http://www.youtube.com/v/uxOk9rhov9c&hl=de_DE&fs=1&

Wessen Interesse ich nun geweckt habe- ab zur Swiss Post Box ?

Mehr als drei Wochen nun ist das furchtbare Unglück der Duisburger Massenpanik her. Dank stundenlanger Live Berichterstattungen während und nach der Love Parade, ist die sprichwörtliche Sau auch schon durch die Medien getrieben worden und taugt allenfalls noch als Vormerkthema für den Jahresrückblick. Das Einzige worum es nun noch geht, ist die Frage wann welcher Politiker durch wiederrum welchen ersetzt werden soll.

Ich möchte mich rückblickend, in diesem Zusammenhang, aber einem anderen Skandal widmen. Nämlich dem über die Äußerungen Eva Hermans zu diesem Event. Wenn man sich heute, mit halbwegs ruhigem Gemüt Ihren Artikel erneut durch liest und dann die völlig verzerrende Medienreaktion betrachtet, wird klar, dass es sich bei Eva Herman nicht etwa um eine Frau mit streitbarer Meinung , sondern ganz einfach um eine Frau MIT eigener Meinung, die aber der weichgekochten Gutmenschen Stimmung widerspricht, handelt. Damit trifft sie die gesamte Wucht der Medien und das wieder und immer wieder.

Ist denn das was sie schreibt so falsch?
„…Viele der Partygäste wirken auch in diesem Jahr bereits lange vor dem Unglück wie ferngesteuert. Betrunken oder vollgekifft, mit glasigen Blicken, wiegen sich die dünn bekleideten Körper in rhythmischem Zucken wie in Trance…“

„…Zudem, das wird auch schnell deutlich, birgt das »friedliche Fest fröhlicher, junger Menschen« in Wirklichkeit eine Menge Aggressionspotential. Der Alkohol und die Drogen wirken schnell, viele kommen bereits am Nachmittag in völlig verglastem Zustand an. Unkalkulierbar reagieren sie teilweise, als die Sicherheitskräfte eingreifen. Später wird sich herausstellen, dass an dem eingedrückten Zaun, an dem die »geilen Raver« (O-Ton BILD) von den Sicherheitskräften vorbeigeleitet werden sollten, die Wut sich entlud. Denn die Partygäste wollten sich eben nicht umleiten lassen… „

Oder auch:

„… Liebe.« Selten wurde ein Begriff mehr durch den Dreck gezogen als bei der Loveparade. Man fragt sich verzweifelt, welche Definition von »Liebe« die jungen Menschen durch derartige und leider selbstverständlich gewordene Falschbezeichnungen für das eigentlich Schönste und Höchste in dieser Schöpfung erhalten müssen?“

Ich war selbst auch 1997 auf der Loveparade. Es hat Spaß gemacht, jedoch muss ich klar, der Beschreibung Hermans zustimmen. Es ging um Drogen, Sex, saufen und das berühmte „über die Stränge schlagen“- das Ganze am besten bis der Notarzt kommt. Die Tatsache, dass sich eine gigantische Masse trifft um dies aus zu leben, sollte es nicht besser machen.

Ob man nun Hermans religiösen Grund O-Ton hören oder verstehen will, spielt keine Rolle, denn das ist und darf ihre Meinung bleiben. Ob das der Bild Zeitung gefällt ist dabei keine im Grundgesetz festgesetzte Voraussetzung. Also wer kann mir erklären was genau an Hermans Artikel falsch, oder empörend sein sollte?

Ich bin präsent
alles erfüllend, durchdringend, lastend auf der Welt
Ich gebe den Rhythmus
verhindere den Stillstand und die Ruhe
Gebe Atem, gebe Kraft, bin der Raum und die Freiheit.
Bin das Wissen der Zeit und der Speicher der Geister.

Ich fliege, spüre das auf und ab der Ströme.
Unter mir Städte und Häuser, Straßen und Bahnen, Menschen und Tiere.
Hupen, Qualm, Geplapper, Räder quietschen, Schienen kreischen, Maschinen dröhnen.

Über die Kreuzung, den Stau, die Seitenstraße, ein altes Jugendstilhaus. Ein offenes Fenster im vierten Stock.

Ein Wohnzimmer. Adrett eingerichtet. Bilder von Kindern und Hochzeiten an der Wand. Ockerfarbene Ledersofas, ein Glastisch, eine alte Kommode. Sauberkeit.

Ein Kind hockt im Schneidersitz vor einem leise laufenden Fernseher, die Mutter steht in der offenen Küche, schneidet Gemüse.
Das Messer klackert. Der Fernseher wispert.
Das Kind starrt ins Leere…

Hinweg, hinfort, aus dem Fenster hinaus, hoch, auf in die Lüfte.
Hinweg, hinfort über Haus, die Straße und den Stau.

Liebe Leser,

seit Freitag kann es beim Besuch dieser Seite leider zu einer Malware-Warnmeldung seitens google kommen.
Das Problem wird verursacht, da google, die Internetmarketingagentur Trigami falsch eingestuft hat. Da ich seit vielen Jahren bereits gern und erfolgreich mit Trigami zusammen arbeite, habe ich entsprechend viele Links auf deren Seite gesetzt, was zur eben genannten Meldung führt.

Normalerweise würde es reichen, die Links zu Trigami zu entfernen, doch habe ich derart viele Artikel geschrieben, das ein entfernen der Links wahrscheinlich länger dauert, wie Trigami braucht um das Problem zu beheben.

Also, lasst euch nicht irritieren, die Meldung kann getrost ignoriert werden
vielen Dank für euer Verständnis

Leonard Goldmann

180 sagt mir mein digitales Tachometer. Ich sitze in meinem Porsche 911 S3. Der Motor dröhnt. Ich habe Wut. Auf sie, auf mich.

Auf den Wagen habe ich 8 Monate warten müssen. Sonderanfertigung. Das Leder riecht noch. Außer mir scheint niemand mehr unterwegs.

Warum ist sie nur so ausgeflippt? Ich meine, ich war betrunken, nach einem langen Tag, wusste nicht was ich tue. Die kleine war doch eh zu jung für mich, wie kann Sie nur so eine Szene machen. Ich habe sie das erste Mal betrogen seit Jahren. Außerdem wäre es doch etwas anderes gewesen, wenn ich Sie mit meiner Sekretärin betrogen hätte.

Ich muss lächeln, stelle mir Annegret, meine 58jährige Sekretärin nackt vor.
Ein Wagen kommt mir entgegen. Ich komme in eine Ortschaft. Schalte runter, bremse aber nicht. Der Motor heult auf, bremst den Wagen.
120-,110,-100,-90
Noch immer viel zu schnell. Egal. Die Strasse zieht sich schnurgerade durch einen kleinen, fast schon idyllischen Ort. Hier muss es doch irgendwo ein Hotel geben.

Wie sie mich angeschrieen hat, eiskalte Miene, nichts vertrautes in ihrem Blick.
Ob die Kinder was mitbekommen haben?

Die Ausschilderung führt mich an ein Hotel. „Bellevue“- leuchtet schon von weitem. Ich nähere mich, immer langsamer werdend, erspähe einen Parkplatz unmittelbar vor dem Eingang. Halte den Wagen an.

Wie konnte sie nur, schließlich ist es mein Haus, sie hätte gehen sollen, ich hab das alles bezahlt. Nicht sie.

Ich steige aus, nehme vorher noch meine kleine Tasche vom Beifahrersitz. Schließe den Wagen ab und betrete die Hotellobby.

„Einen wunderschönen Guten Abend,“ wünscht der Portier, „eine Freude Sie in unserem Hause begrüßen zu dürfen“
„Ein Zimmer“ bringe ich rau hervor
„Einzel- oder Doppelzimmer?“
„Doppelzimmer!“
Beim Ausfüllen des Anmeldebogens fällt mir ein, das ich gar kein Doppelzimmer brauche- auch egal.
Ich schleppe mich in den Lift, bin müde. Alles ist still. Ich schaue auf meine Breitling, habe ich mir damals in Luzern gekauft, ihr habe ich damals ein 6karätiges Armband geschenkt.

Der Lift stoppt, die Türen öffnen sich. Ich schaue nach links, nach rechts, da ist es 214, mein Zimmer für heute Nacht.
Ich öffne die Tür, der schwere Schlüsselbeschwerer klopft beim öffnen gegen den Türrahmen. Ich betrete mein Zimmer und mustere alles sehr genau. Ich mag Hotelzimmer, immer neu, immer geborgen, immer sauber.
Ich werfe mein Täschchen aufs Bett, hole mir einen Piccolo aus der Minibar und setze mich an den Schreibtisch.

Ob sie es den Kindern schon gesagt hat? Ob sie von unserem Streit wach geworden und alles mitbekommen haben?
Ich werde Sie anrufen. Was werde ich ihnen sagen? „Ich kann euch alles erkl…“- nein. Ich lasse das wohl besser. Jetzt bin ich für alle, auch der typische Enddreißiger der sich mit Mädchen in die zwanzig vergnügt.

Ich will einfach nur weg, weit weg von hier, habe die Schnauze gestrichen voll. Ich schaue das über dem Schreibtisch aufgehängte Bild an. Es ist schön. Ein alter Segelschoner mitten auf der ruhigen See. Allein. Sicherlich auf dem Weg zu neuen Welten. Ich kann das Meer förmlich riechen. Ob es wohl weit ist bis zum Meer?

Zwei Tage später klopft der Portier vorsichtig an Zimmertür 214. Niemand öffnet. Noch einmal klopft er, zwar energischer aber immer noch dezent.
Am nächsten morgen klopft er erneut. Nach einigen Minuten öffnet er mit seinem Zweitschlüssel behutsam die Tür. Betritt den Raum. Niemand da, nur eine kleine schwarze Ledertasche liegt auf dem unbenutzem Bett und eine halbleere Flasche Piccolo steht auf dem Tisch. Verwundert dreht sich der Portier um und verlässt noch einmal ins Bad spähend das leere Zimmer.

Doch wenn er ein wenig genauer geschaut hätte, hätte er mich gesehen, winzigklein, auf dem Schiff, direkt neben dem Mast stehend.

Die Geschichte wurde ebenfalls im Autorenweb publiziert.
„Verlassen“ erscheint in Kürze auch im Rahmen der Veröffentlichung eines Kurzgeschichtenbandes. Diesen wird es erstmals auch als eBook geben. Mehr dazu hier im Blog.