10 Sekunden Teil II

Ich bin präsent
alles erfüllend, durchdringend, lastend auf der Welt
Ich gebe den Rhythmus
verhindere den Stillstand und die Ruhe
Gebe Atem, gebe Kraft, bin der Raum und die Freiheit.
Bin das Wissen der Zeit und der Speicher der Geister.

Ich fliege, spüre das auf und ab der Ströme.
Unter mir Städte und Häuser, Straßen und Bahnen, Menschen und Tiere.
Hupen, Qualm, Geplapper, Räder quietschen, Schienen kreischen, Maschinen dröhnen.

Über die Kreuzung, den Stau, die Seitenstraße, ein altes Jugendstilhaus. Ein offenes Fenster im vierten Stock.

Ein Wohnzimmer. Adrett eingerichtet. Bilder von Kindern und Hochzeiten an der Wand. Ockerfarbene Ledersofas, ein Glastisch, eine alte Kommode. Sauberkeit.

Ein Kind hockt im Schneidersitz vor einem leise laufenden Fernseher, die Mutter steht in der offenen Küche, schneidet Gemüse.
Das Messer klackert. Der Fernseher wispert.
Das Kind starrt ins Leere…

Hinweg, hinfort, aus dem Fenster hinaus, hoch, auf in die Lüfte.
Hinweg, hinfort über Haus, die Straße und den Stau.

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