Heiter Sonnenschein

Seit ein paar Tagen tobt nun schon der isländische Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen und verhängt den Luftraum Europas mit einer Aschewolke. Kein Problem, nur ein wenig ärgerlich für die paar Touristen, so machen die deutschen Medien glauben. Doch wie ist das Bild wenn man über den Tellerrand schaut? Hier mal ein kleiner Abriss meiner Beobachtungen. Ich versuche das Ganze mal wertungsfrei zu lassen, denn keinesfalls will ich den Eindruck erwecken ich glaube an irgendwelchen Verschwörungsquark, nur ist eben die Art und Weise der deutschen Berichterstattung einmal mehr sehr „weichgespült“ und „Volksverdummend“ nach dem Motto „bleibt ruhig, denkt nicht nach, alles ist in Ordnung“.

Freitag, 16.04.2010 Mittag: Der Luftraum ist schon seit geraumer Zeit dicht. Passagiere bleiben stecken. Ware staut sich in Zwischenlagern. Die weitere Verfahrensweise ist unklar.

N-TV: business a usual. Es laufen Reportagen. Nur der Breaking News Balken verkündet Verzögerungen im Luftverkehr.

CNN: Programm unterbrochen. Aktuelle Analysen zur weiteren Möglichen Entwicklung.
CNBC: Interviews mit verschiedensten Experten zum Thema Luftsicherheit, Geologie, laufend aktualisierte Stände aus allen Krisenstäben.

Freitag, 16.10.2010 Nachmittag: Die Sperrzone im europäischen Luftraum weitet sich ständig aus. Wann, oder wie der Luftraum wieder geöffnet wird ist vollkommen unklar. Die Deutsche Bahn, Speditionen, Hotels und Autovermieter rufen Generalmobilmachung aus.

N-TV/ N24: business as usual. Reportagen laufen. Nur der Breaking News Balken verkündet Verzögerungen im Luftverkehr.

CNN: erste Experten warnen vor erheblichen Folgen für die Wirtschaft.  Es läuft eine Schaltung live zur Pressekonferenz der WHO zu gesundheitlichen Risiken. Es ergehen die Empfehlungen das gesundheitlich gefährdete Personen das frei Meiden sollten, sobald man die Wolke „riecht“ sollten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden.

Freitag, 16.04.2010 Abend: Die Situation spitzt sich zu. Mietwagen alle ausgebucht, ebenso wie Hotels. Zum Beispiel werden am Münchner Flughafen gestrandete Passagiere bis Garmisch Patenkirchen untergebracht, da alle alternativen ausgebucht sind. Zehntausende Flüge sind ausgefallen an die hunderttausend Passagiere festgesetzt. Erste Zwischenlager beginnen mit der Vernichtung tausender Tonnen Frischware deren Auslieferung nicht mehr Möglich ist. Darunter vorrangig Früchte, Blumen. Die deutsche Kanzlerin und der deutsche Außenminister stranden irgendwo in der Welt und finden keinen Weg in die Heimat.

N-TV/N24: erste Sendungen zum aktuellen Stand. Dabei wird aber die Wartezeit der Malle Urlauber in den Vordergrund gestellt. WHO, die Wirtschaft und alle betroffenen Krisenstäbe bleiben außen vor. Der Krisenticker kündigt derweil an, dass am Samstag früh wieder alles laufen wird.

CNN: ausführliche Tagesanalysen, Wetteransichten und Prognosen sowie Interviews mit Experten jeglicher Couleur helfen den Tag zu verarbeiten und Handlungsrichtlinien für die kommenden Tage zu erstellen. Detailliert wird über Möglichkeiten von Engpässen in der Versorgung und Transport debattiert.

Samstag und Sonntag 17.+18.04.2010: Die Lufträume sind und bleiben dicht. Die Wirtschaft beginnt Druck aus zu üben. Eurocontrol lässt jedoch keine Lockerung der Luftraumsperren zu. Fluggesellschaften versuchen mit extrem-Kurzstrecken-Testflügen zu beweisen dass alles ungefährlich ist.  Die Internationale Logistigkette bricht zusammen. Zwischenläger sind hoffnungslos überfüllt, immer mehr Ware wird abgewiesen oder ganz vernichtet. Tausende Menschen übernachten in Hallen mit Feldbetten. Preise für Hotels und Mietwagen steigen ins astronomische. Die halbe Welt sagt die Teilnahme an der Beerdigung des Polnischen Präsidenten ab.

N-TV/N24: business as usual. Wie gewohnt laufen Hitlerreportagen. Zwischendurch kündigen Experten das kurzfristige Öffnen der Lufträume an. Das einzige Problem auf das aufmerksam gemacht wird, ist das „hängen bleiben“ einiger Touristen. Es wird aber stets betont, dass alle Kosten erstattet werden und TUI teilweise auch Hotels stellt. Kein Grund zur Beunruhigung also.

CNN: berichtet mehrfach stündlich über die aktuelle Lageentwicklung. Zu Wort kommen mit detaillierten Clips, Geologen, Vulkanologen, Meteorologen, Experten aus Luftfahrt, Politik, Logistikbereich und vielem mehr. Kurzum ein vollständiges Bild zur Situation.

Montag, 19.04.2010: Die Logistikkette ist zusammengebrochen. DHL kündigt über Newsletter an, dass fast  keine Frachten mehr angenommen werden. Zwar bald Rückholtransporte auf Sichtflug möglich sind. Dies gilt aber nicht für Transporte. Nach Angabe der Logistiker wird die Aufarbeitung der Frachten noch Wochen dauern, selbst wenn die Lufträume bald frei werden. Außerdem werden drastische Anstiege bei den Transportkosten angekündigt.
Außerdem wird bekannt dass ein NATO Kampfjet knapp einer Katastrophe entging beim Durchflug durch die Aschewolke.

N-TV/N24: business as usual, nur zögerlich übernimmt man im Breaking News Ticker wichtige Meldungen aus anderen Medien. Eigene Bilder scheint es nicht zu geben, bis auf die Rundflugbilder eines Reporters a la Gallileo, der auf Senderkosten den Vulkan umfliegen darf. Auch bei anderen Nachrichtensendungen stehen die armen Urlauber im Vordergrund. Gefeiert wird die Tatsache dass am Abend wieder geflogen wird. Dabei geht unter das es sich um äußerst riskante Sichtflüge, nur mit Ausnahmegenehmigung handelt.

CNN/CNBC: zeitnah wird über das Aufsteigen von Rauchwolken aus einem zweiten Vulkan berichtet. Die Berichterstattung wird ausgeweitet, noch mehr Informationen die effektiv helfen die Lage ein zu schätzen.  Es wird klar das es eine schnelle volle Öffnung der Lufträume nicht geben wird. Probleme wie Lieferengpässe bei verschiedensten Produkten, Auswirkungen auf Klima, Wirtschaft, Börse und Alltagsleben werden analysiert.

Jetzt ist es Montagabend. Der Luftraum ist und bleibt geschlossen, nur Rückholtransporte für Passagiere sind teilweise erlaubt. Die DIHK hat eben verkündet dass zurzeit allein die deutsche Wirtsschaft pro Tag 1Milliarde EUR verliert. In Unternehmen wie dem unsrigen läuft nichts mehr.

Der noch größere Brudervulkan wird in Kürze ausbrechen. Die Versandkette ist noch immer vollständig unterbrochen- und das wird so bleiben. Die deutsche Bevölkerung ist vollständig uninformiert was dies für die folgenden Tage und Wochen bedeutet. Kein Wort zu möglichen Lieferengpässen,  Gesundheitsrisiken, Empfehlungen für weitere Reisen oder Einschätzungen zu kommenden Preisentwicklungen an den Supermarktkassen.

Bleibt ruhig, alles ist in Ordnung, nur nichts außer Kontrolle geraten lassen, dafür sorgen dass niemand darüber nachdenkt.

Die gigantische Schockwelle tobt derzeit einmal um den ganzen Planeten. Chinesische Fabriken stellen die Produktion ein, afrikanische Farmen ernten nicht mehr. Die Logistikkette wird noch Wochen brauchen um wieder reibungslos zu funktionieren- sofern der Vulkan JETZT stoppt und die Lufträume JETZT vollständig freigegeben werden. Nur sind wir selbst davon weit entfernt…

2 comments

  1. der gesamtwirtschaftliche schaden soll bei 11Milliarden pro Tag liegen. und das seit letzten donnerstag- ohne ende in sicht 🙁

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