Nazi „Aufmarsch“

Seit Tagen werde ich mit Mails und Einladungen bombardiert die zu einer Demo gegen den in Chemnitz stattfindenden „Naziaufmarsch“ aufrufen. Natürlich ignoriere ich diesen Dreck, doch frage ich wie immer, „ist dieses Volk eigentlich noch zu retten“? Egal wie wir sie jetzt nennen, Nazi`s, NPD, Rechte- sie sind nicht verboten! Auch ihnen muss also das Verfassungsrecht auf Demonstrations- und Meinungsfreiheit eingeräumt werden, Punkt und aus. Wenn ich jedoch meine Meinung versuche zu äußern, diese aber totgepfiffen wird, sehe ich dies schon kritisch. Wieso ist es also nötig, ständig gegen den „Aufmarsch von 80 NPD Anhängern, die halbe Republik und den gesamten Autonomen schwarzen Block zu mobilisieren? Ich kann es euch sagen. Es ist risikolos, macht Spaß und ist politisch total korrekt. Man ist auf der guten Seite, man zeigt Flagge, man ist in der Mehrheit, wird von der Polizei geschützt und wenn man dann mal richtig Bock auf Randale bekommt, kann einfach sagen, die Polizei, bzw. die Nazis hätten provoziert. Schon ist jede ausufernde Gewalt gerechtfertigt. Wenn man die Kirche mal im Dorf lässt, kann man dabei beobachten dass gerade die verschriehenen Naziaufmärsche immer gleich ablaufen. Ein paar dutzend, bis ein paar hundert, definitiv nicht mehr provozierend gekleidete Anhänger des braunen Mobs, laufen wohlgeordnet und gut geschützt die vorgeschriebene Route ab und quäken dabei ein paar politische Forderungen. Drum herum haben sich tausende linke, politisch korrekte und autonome versammelt die mit aller Gewalt versuchen die Verfassung und öffentliche Ordnung zu brechen. Sie stören, behindern und provozieren. Ist das politisch korrekt?

Sammelt doch einfach mal eure Kräfte für eine gute Sache! Schaut nach Spanien, Island, Italien, Frankreich oder Griechenland. Riskiert was. Wie wäre es mit einem landesweiten Generalstreik um den sofortigen Rücktritt gewisser Landesbanker oder die umgehende Rückzahlung derer Millionenbonis zu erreichen? Wie wäre es mit einer Sitzblockade der wichtigsten Autobahnkreuze um darauf aufmerksam zu machen das die gesamte Republik jährlich empört ist wie die im Bundesrechnungsbericht angeprangerten Milliardenverschwendungen ignoriert werden.

Nein, das ist nichts für den deutschen. Es könnte sich schlecht auf die Karriere oder das Portemonnaie auswirken, noch schlimmer, es könnte ja jemand auch anderer Meinung sein und die Aktionen missbilligen. Bei einer Demo gegen rechts kann das nicht passieren, da kann man auch seinen Kindern noch von erzählen, kann kommen was wolle…

12 comments

  1. Ganz ehrlich, ich finde es gut, wenn Menschen Position ergreifen und sich dann – gegen wen/was auch immer – aufstellen. Dass sich einige, sei es weil sie emotional mit den geschichtlichen Entwicklungen verbunden sind oder durch die Lebensumstände, auch verbal (!) Stellung beziehen und vllt auch verbal (!) provozieren, verstehe ich. Daher finde ich den Ausspruch „[…] Es ist risikolos, macht Spaß und ist politisch total korrekt […]“ etwas sehr pauschalisiert in Bezug zum genannten Beispiel des Gegenparts der Rechts-Demo, wie ich finde.

    „[…] Ein paar dutzend, bis ein paar hundert, definitiv nicht mehr provozierend gekleidete Anhänger des braunen Mobs, laufen wohlgeordnet und gut geschützt die vorgeschriebene Route ab und quäken dabei ein paar politische Forderungen […]. Heißt das, man sollte nur etwas gegen die Leute tun, die tatsächlich Gewalt als Instrument einsetzen und alles andere gutheißen? Besteht die Gefahr, insbesondere (um beim Bsp. zu bleiben) bei den Rechten, nicht auch in der subtilen Beeinflussung?

    „[…] Schon ist jede ausufernde Gewalt gerechtfertigt […]“. Bei den Leuten, die die Gelegenheit nutzen und sich mit Gewalt und Provokation in Szene setzen, stelle ich in Frage, ob diese tatsächlich ein Zeichen setzen wollen oder ob es sich dabei nicht doch eher um Gepose ohne Hintergrund handelt. Sollte man differenziert betrachten.

    „[…]Sammelt doch einfach mal eure Kräfte für eine gute Sache! […]“ Manchmal muss man einen Stein ins Rollen bringen, damit der Weg frei wird…. Der einzelne definiert für sich selbst, was ihn stört und für ihn ein zu behebendes Problem darstellt. Je mehr egoistische Ziele sich bündeln, desto größer wird das Gemeinschaftsziel und damit die Dringlichkeit der Behebung des Problems bei den zuständigen Stellen. Also bevor man zynische Töne ins Spiel bringt, sollte man doch zuerst versucht haben, selbst etwas zu bewegen, oder? 🙂

  2. Stimme dir in allem zu, fasse aber nochmal den gesamten Eintrag zusammen in dem ich wiederhole:

    Ja, Flagge zeigen, Ja, aufstehen, Ja zum Kräfte bündeln, aber doch vielleicht mal bitte in dem Zusammenhang aktuelle Probleme angehen und bekämpfen, anstatt ewig „wehret den Anfängen zu brüllen“ .

    Es mag ja sein das den Rechten das Feld nicht überlassen werden darf. Aber ich sehe da die Arbeit des V.Schutzes und BKA der letzten Jahre sehr positiv. Jeder extremistische Auswuchs wurde umgehend bekämpft. Der Rest ist nun mal von der Verfassung gedeckt.

    Wir blasen das Problem der rechtsradikalität über die Maße auf und ignorieren darüber den Rest…

  3. wahrscheinlich warst du beim schreiben des eintrags noch ein bisschen zu emotional, denn scheinbar ist deine gewünschte aussage nicht ganz so transportiert worden bzw. ist an den rand gedrängt worden.

    mmh, es mag sein, dass gegen extrem. bereits erfolgreich vorgegangen worden ist. allerdings stelle ich fest, dass genug leute braunes gedankengut in sich tragen und das beobachte ich in meine runmittelbaren umfeld (bestes beispiel auch hier im blog der gast-ausspruch bei obama: „vom sklaven zum präsid.“). und da muss ich sagen, leute geht weiter auf die straße! denn das geht gar nicht! kritisch denken ja, aber dann bitte mit ganzheitlicher sichtweise.

    „[…]vielleicht mal bitte in dem Zusammenhang aktuelle Probleme angehen und bekämpfen[…]“

    da stimme ich dir vollstens zu. aber irgendeiner muss den anfang machen. und ich weiss nicht, ob man andere kritisieren sollte, wenn man es nicht besser macht, weisst du. Blog schreiben ist zwar schön und ist ein anfang, aber doch immer noch sehr passiv. oder?

  4. Sicherlich hast du Recht, das es ne Menge Gedöns in den Köpfen gibt, nur ist die Frage wie eine Gesellschaft darauf adäquat reagiert… Man muß nicht immer gleich mit Kanonen auf Spatzen schiessen…

    Zum zweiten Punkt: sicher, jeder muss irgendwie den Anfang machen. Ich selbst schreibe viele Stunden pro Woche diesen Blog. Habe selbst sehr sehr viele Demoerfahrungen und mir da auch oft den Kopp einkloppen lassen. Ich weiß wie es ist vom Wasserwerfer getroffen zu werden. Habe schon oft Reden für Demos geschrieben, war lange politisch sehr aktiv usw. usf. Das ist mein Teil den ich beitrage. Ich finde aber Beiträge sind eines- man muß auch genau überlegen für was man seine Energie einsetzt.

    Denk mal dran was passiert wenn morgen in einer Kleinstadt ein „Thor Steinar Laden eröffnet. Was passiert aber wenn unsere Regierung uns Verfassungswidrig monatelang bespitzelt? Verstehst du was ich mein?

  5. Schlimm finde ich das diese „Gegendemos“ teilweise völlig das Ziel verfehlen…es gab in Dresden (und auch Chemnitz) auch Demos, bei denen der Opfer der Bombenangriffe gedacht werden sollte, völlig ohne einen NPD-Hintergrund oder ähnlichem. Diese wurden allerdings sofort vom „linken Mob“ als braun deklariert und auch so „behandelt“.
    Armes Deutschland!!

  6. @Impakt:
    das ist exakt was ich meine. Sobald irgendwo, irgendjemand, irgendetwas als RECHTS identifiziert, kann die Gesellschaft Himmel und Hölle in Bewegung setzten. Eine Eigenschaft die angesichts der aktuell geringen Gefahr von Rechts dumm ist und die angesichts dessen das diese Ressourcen woanders fehlen, gefährlich ist.

  7. @ Leo
    das ist schon richtig, man sollte generell kosten/nutzen abwägen, bevor man lossprintet. und wie gesagt, sobald gewalt ins spiel kommt, ist es nicht mehr in ordnung. ich meine nur, dass es ja schon toll ist, dass leute überhaupt auf die strasse gehen und ihre meinung auch nach aussen tragen. mut ist heutzutage kein gängiger charackterzug, schon eher bequemlichkeit.

    und zum letzten. kommt drauf an, in welche kleinstadt dieser store eröffnet wird. ich würde mal vermuten, dass im osten die akzeptanz bedeutend größer ist… und das ist schon erschreckend. vllt sollte man mal paar lastwägen mit mädels rankarren, damit die jungs sich beruhigen xDDDDDDDDDD

    klar, ist es absolut nicht in ordnung, dass per gesetz auch eingriffe in die privatssphäre gemacht werden. aber ich kann dir genau sagen, warum da sich keiner aus dem sessel bewegt. die mehrheit sind kleine lichter, also was will man mit dem abhören von tel. oder abfangen von nachrichten tun? die angehängte einkaufsliste abarbeiten? bei dem chef vorbei gehen, weil man blau gemacht hat? und letztendlich sind doch unsere privaten daten eh schon im winde verstreut. dass die ganzen gesammelten daten auch noch übern großen teich gehen, weil die das irgendwann mal vertraglich nach dem wk klargemacht haben ist tatsächlich erschreckend.

    verstehst du, man muss versuchen zu verstehen, warum etwas ist wie es ist, um ggf etwas ändern zu können. wenn man den nerv trifft, hat man mehr erfolg. deine blogeinträge greifen viele themen auf, die wichtig sind und aktuell. finde ich toll. aber nicht jeder kann die kosequenzen daraus ableiten. nicht jeder hat studiert und nicht jeder informiert sich über tagesaktuelle themen, weil der kleine kosmos nun mal im vordergrund steht. also hab ein bisschen geduld mit uns da draussen^^. nichts desto trotz ist aufklärung total wichtig und igendwann kommt es vllt auch beim letzten an.

    @ impakt
    liegt es vllt auch daran, dass man heutzutage teilweise optisch links nicht mehr von rechts unterscheiden kann. gab dazu schon vor einigen jahren einige artikel drüber. es gibt rechts gerichtete, die nicht auf den kopf gefallen sind und die taktik vorgeben. macht die unterscheidung der gruppierungen etwas schwierig.

    schau mal: http://www.antifa-freiburg.de/spip.php?page=antifa&id_article=335&design=3

  8. @Lara
    da haste völlig Recht. Da bin ich auch wirklich froh, das sich überhaupt ein Arsch erhebt 😀 nur müssen wir halt die Themenauswahl noch etwas erweitern bei der wir das Volk ans laufen bekommen 😀

    Wegen deinem Link an ImPakt- kommst du aus der Antifa Ecke?

  9. wohl wahr, aber vllt sind auch die sessel der leute nicht so bequem xDDD

    mmh erweitern und vllt etwas ausführlicher informieren. wenn man selbst im thema ist, ist das schwieriger, weil man ganz viel reinpacken will und nicht mitbekommt, dass die ersten schon nach nem absatz ausgestiegen sind. frag mal nen itl’er, wenns ein problem mit dem schlepptop/pc gibt. keeeeeine ahnung was da die erzählen xDDD ist halt das gleiche problem bei den news im tv (kurz und knackig ist gut, aber manchmal zu wenig). frag mal deinen nachbarn ob der weiß, was faule wertpapiere sind. oft gehört, aber wirklich verstanden?

    öööhm nö. aber ich hab google 😉

  10. Völlig Richtig. So sehe ich übrigens eigentlich auch den Blog. Austauschen kann man sich eigentlich hier nur mit denen die irgendwie am Thema dran sind- natürlich jeder auf seine Weise- das machts interessant.

    Aber ich geb die Hoffnung nicht auf, das man in die überwältigende, schweigende Mitleserschaft einen Keim des Grübelsn setzen kann… 😀

    Wegen Antifa fragte ich nur, weil ich weiß das hier ne Menge gaaaanz linke mitlesen und ich mal ein paar aktuelle Fragen hab. Bin jetzt selbst seit 1999 kein Antifa`ler mehr 😀

  11. das wird dir auf die ein oder andere weise auch gelingen. da bin ich mir sicher. wobei es ja immer, wie du auch sagst, eine subjektive meinung ist, die hier vertreten wird. was dennoch einen anstoss zum nachdenken geben sollte.

    nee sorry da kann ich dir leider tatsächlich nicht weiterhelfen. ich bin keineswegs links, aber rechts noch viel weniger, weil ich halt auch sehe, dass da so viel unwissen ist und fixe vorurteile, ohne dass viel in frage gestellt wird. finde ich gefährlich.

    und deine frage ist so speziell, dass du sie nicht in nem linken-blog stellen kannst? sicher kennst du auch so noch den ein oder anderen aus der zeit damals, den du fragen könntest 🙂

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