der Aufstand der dummen?

Nun ist Chemnitz endgültig tot, so die einhellige Meinung zu den aktuellen Kürzungsplänen der Stadt. Darin sollen die Mittel fast aller noch verbliebener Kulturangebote wie das des Kulturhaus Tietz, der Stadtbibliothek Chemnitz, den Chemnitzer Museen, dem Theater Chemnitz und dem Jugendzentrum AJZ (u.v.v.m.) drastisch gekürzt werden. Sofort wird propagandistisch zu Demos „Gegen den sozialen Kahlschlag“ aufgerufen und jedermann ist empört. Und ich? Ich bin völlig fassungslos, denn ich frage mich ganz ernsthaft: „Seid ihr alle bescheuert?“

Während ihr es euch die letzten Monate mit Aldi Wein und „das Supertalent“ auf dem Sofa gemütlich gemacht habt, ist der verheerendste Wirtschaftstsunami der letzten 80 Jahre über den gesamten Planeten gefegt. Beinahe ein Drittel der allgegenwärtigen Institutionen (Quelle, Rosenthal, Märklin, Dresdner Bank usw.usf.) liegt in Trümmern, die restlichen zwei Drittel wanken. Es gibt effektiv kein deutsches Unternehmen von dem man mit 100%iger Sicherheit behaupten kann, dass es auch in 2 Jahren noch existiert. Natürlich, wenn man sich nicht mit Wirtschaft beschäftigt, studiert, Beamter ist oder zufällig nicht bei einem der Megakonzerne arbeitet, hat man bisher recht wenig selbst abbekommen. Die Zeichen stehen jedoch eindeutig, seit vielen Monaten auf Sturm. Selbst die Politik warnt jetzt offen, vor sehr viel schwereren Zeiten.

Eine gestrichene Stelle in einem Kulturzentrum ist verdammt ärgerlich, wir brauchen diese Kulturellen Stätten, gerade in Chemnitz. Doch meint ihr das war alles? Das ist der klitzekleine Anfang. Wir werden zu tun haben im Frühjahr 2010 die öffentliche Sicherheit irgendwie aufrecht zu erhalten, die kommende Massenarbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, eine gestrichene Stelle in der Bibliothek ist echt unser kleinstes Problem. Der totale Zusammenbruch eines Finanzsystems ist im Gange und ihr schreit nach Geld? Ich bin zweifelsohne der allerletzte, der glaubt in Deutschland wäre alles in Ordnung oder gerecht verteilt, aber sagt mir doch bitte wo das Geld angesichts unseres Schuldenstandes herkommen soll? Es ist einfach nix mehr da. Niente. Finito. Mag sein das man in der Vergangenheit falsch verteilt hat, aber dafür ist es heute echt zu spät…

Wollen wir vielleicht schon heute (anstatt in ein paar Monaten) die halbe Stadtverwaltung entlassen, um ein Theater betreiben zu können? Die Linken werfen der Stadt vor, aus rechten Motiven zu handeln oder Fördergelder dem AJZ zu sperren, obwohl die Volksmusikfeste weiter finanziert werden. Doch an all dem erkenne ich kein System. Im Prinzip wird überall gespart, eine Linkslastigkeit lässt sich nicht erkennen und dass die Stadthalle weiter bezuschusst wird, weil ganz einfach Busladungen voller Rentner Kohle in die Kasse bringen, ist nur allzu verständlich.

Das schlimmste ist aber die schmarotzende Grundhaltung „Ich bin zu teuer für diese Stadt“ lautet das Motto einer eilig einberufenen Demo. Daran werden auch mit Sicherheit ein paar tausend Leute teilnehmen und emsig kommunistische Parolen in die Luft halten. Wir wollen Geld, wir tun zwar nix, aber wir wollen ausgezahlt werden. Was halten denn die feinen Damen und Herren davon, sich persönlich einmal ein zu setzen? Das AJZ ist toll? Klar! Wenn also nur jeder 5te Demoteilnehmer pro Monat eine einzige Stunde gemeinnützige Arbeit im AJZ leistet, ist die ganze Show gerettet. Spendet Klamotten, Spielzeuge und Geld und wieder ist mit tausenden Händen mehr getan als mit 10.000€. Meine Freunde, das hat etwas zu tun mit Moral, Anstand und denken fürs Gemeinwohl. Ist nicht aber scheinbar nicht jedermanns, ich weiß…

6 comments

  1. Ja, klar, ich bin dafür. Aber woher? Die Steuereinnahmen sind auf einem tiefstand. Die Inflation wird steigen, die belastungen der Sozialsysteme sind pervers (und werden weiter steigen). Dazu die enorme Schulden und Zinslast + die Tatsache das der BUND immer mehr Belastungen an die Gemeinden durchreicht.

    Wenn ausserdem die Stadt morgen nen Brunnen ausknipst um anderweitig Geld zu sparen, regen sich ja auch wieder alle auf.

    Es ist nicht schön, aber die Zeiten in denen wir stecken tun nunmal weh, daran sollten wir uns gewöhnen…

  2. Ich stimme dem Autor generell zu. Ich finde jedoch, dass in Chemnitz viel zu viel Geld verplempert wird, für völlig sinnfreie Image- Kampanen o.ä. Sicherlich wäre dieses in Projekten wie dem AJZ besser aufgehoben.

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