Arztbesuch

Seit über einem Monat habe ich einen Termin bei meinem Hausarzt. Montag 15.00Uhr steht auf dem kleinen lustigen Zettelchen, gesponsert von einem großem Pharmaunternehmen. Also stand ich natürlich am Montag punkt 14.50Uhr (ich liebe Pünktlichkeit) am Tresen der Anmeldung. Zuerst wurden mir natürlich 10€ abgeknöpft und nachdem alle Daten ausgetauscht und aufgenommen sind, fragt mich die Schwester ob ich Zeit mitgebracht hätte. Auf die Frage wie sie denn „Zeit“ definiert, da ich ja einen Termin habe, antwortet sie „naja, es sind noch knapp 15 Patienten vor Ihnen dran, 2-3 Stunden wird’s schon dauern“. Also bin ich erst mal wieder in die Spur und habe ein paar Wege erledigt. 17.25Uhr stand ich natürlich wieder auf der Matte. Freundlich wurde ich auf einem separaten Platz, direkt neben dem Arztzimmer verwiesen. Dies lies mich glauben, doch nun wirklich als Nächster dran zu kommen.
Meine Erwartungen konnten leider nicht erfüllt werden, denn erst sage und schreibe 18.50Uhr war ich tatsächlich dran. Damit Niemand etwas falsch versteht. Mein Arzt ist der beste und kompetenteste, den ich bisher kennengelernt habe. Den Schwestern gehört gebührend Respekt gezollt, denn diese Praxis, die an diesem Tag vielleicht um 20.00Uhr geschlossen hat, hatte an diesem Tag auch bereits um 7.00Uhr geöffnet. Die Frage die man sich stellen sollte, was läuft hier eigentlich schief? In Deutschland existieren abstruseste Krankenkassensätze von bis zu 14%! Bei einem schlechtbezahlten Angestellten mit einem Netto von 1.400EUR kann es vorkommen, dass die Personalabteilung schon mal bis zu 800EUR an die Krankenkasse überweist, denn die 14% sind schließlich nur der Arbeitnehmerantei, den der Arbeitnehmer auch ausgewiesen und vom Brutto abgezogen bekommt. Das bedeutet aber längst nicht, dass es damit erledigt ist. Was passiert also mit diesen Geldern? Die Praxisgebühr kann die Arztpraxis ja schließlich auch nicht behalten. Und wenn jemand schon einmal privat krankenversichert war, der weiß das für ein normales, kurzes Behandlungsgespräch beim Arzt nicht mehr als vielleicht 10-20EUR in Rechnung gestellt werden. An den bösen Rauchern oder den durch zu viele Dicken gestiegenen Behandlungskosten kann es auch nicht liegen, denn zum Beispiel in Israel liegt der Beitragssatz real bei knapp 4% und dort kennt man keine Praxisgebühr!

Doch habe ich einen bekannten, angestellter Anwalt bei einer kleinen, regionalen Krankenkasse und was soll ich ihnen sagen, der verdient knapp 20.000€ im Monat, außer Tarif versteht sich von selbst. Ich meine ich gönne das dem, sogar von ganzen Herzen, aber letztendlich liegt da vielleicht der Hase im Pfeffer.
Um allein sein Gehalt zu verdienen, müssen so zu sagen knapp 30 Beitragszahler herhalten. Das damit am Ende nichts mehr für die Behandlung und den Arzt übrig bleibt, ist klar. Das daher Arztpraxen schließen und andere Praxen platzen, ist logische Konsequenz.

Da bleibt mir nur noch der Wunsch:
Bleiben Sie gesund!

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