Lösung des Fachkräftemangels in 5 Schritten

Seit Monaten tobt er durch unsere Medien und Köpfe, der allgegenwärtige Fachkräftemangel. Die Not ist groß, es wird die nahende Vollbeschäftigung ausgerufen. Sämtliche Interessenverbände der Industrie betonen nimmer müde die Notwendigkeit, dringend Arbeitskräfte zu „importieren“ um Stillstände in Entwicklung und Produktion ab zu wenden.

Noch was steckt dahinter? Gibt es andere Lösungsansätze und Antworten? Zu aller erst einmal, sollten wir uns die wahren Zahlen anschauen. Unsere Arbeitslosenquote ist nämlich nahezu unverändert dramatisch hoch. Aus unseren Statistiken werden alle Arbeitssuchenden heraus gerechnet, die temporär, oder theoretisch nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Ältere, Kranke, kurzfristig kranke, Langzeitarbeitslose, oder aber auch Menschen in Umschulungen, „Maßnahmen“, oder geringfügigen Beschäftigungen. Ein gutes Beispiel um unsere wahren Arbeitslosenstatistiken zu verstehen, gibt die aktuelle Jugendarbeitslosendebatte. Spanien und England gesteht sich nach schweren Ausschreitungen und Demonstrationen ein, das es eine Jugendarbeitslosigkeit von um die 40% gibt. Die deutschen Kommentatoren werden seit dem nicht müde zu betonen, das derarte Ausschreitungen in Deutschland nicht drohen, da unsere Jugend ja in Lohn und Brot ist. Neun Prozent, so legt man vor, ist die deutsche Quote unter Jugendlichen. Wenn man also voraussetzt, das unter Jugendlichen eine geringe Zahl an chronisch kranken, oder ähnlich gebundenen Menschen vorliegt, als beim Rest der Bevölkerung, kann man sicherlich eine Ehrliche Quote von 12% voraus setzen. Doch der Bericht der Bundesagentur für Arbeit verrät noch mehr. Zwar sind nach offiziellen Bericht nur 9% direkt arbeitslos, doch 38,9% aller jugendlichen Beschäftigten ist dies nur geringfügig, auf Praktika Basis und ähnlichem.

Machen wir kurz einen Schwenk nach Spanien und seinen 46% Jugendarbeitslosigkeit. Dort sind zehntausende auf den Straßen um auf die Armut und Unsicherheit einer ganzen Generation aufmerksam zu machen. In der Quote von 46% ist dabei bereits eingerechnet, das auch ein 25jähriger Mann, der zwar nicht arbeitslos ist, aber sich von einem 300€ Job ernähren muss, faktisch als arm gilt und sich als arbeitsloser, oder zumindest schlecht beschäftigter fühlt und gilt.

Nehme ich also die deutsche Arbeitslosenquote von 9%, bessere sie auf einen realistischen Wert von 11% auf und addiere die 38% die zwar nach deutscher Statistik als beschäftigt gelten, das aber nur auf Stundenbasis sind, bin ich auf einer realistischen Gesamtquote von 49%. Mehr denn in Spanien und ein Wert der sich letztendendes so durch die gesamte EU zieht.

Doch kommen wir zurück zum Thema. Wir haben also eine stets hohe Arbeitslosenquote und können annehmen das unter jugendlichen, jeder zweite ohne festes Beschäftigungsverhältnis lebt. Wo ist jetzt noch einmal das Problem mit dem Fachkräftemangel?

Das Problem und die Lösung liegen wie immer, dicht beieinander und sind einzig bedingt durch die systemischen Fehler unser industriellen, durch die Wirtschaft diktierte Demokratie.

Durch folgende, simple Punkte kann man nicht nur den vermeintlichen gordischen Knoten des Fachkräftemangels lösen, sondern auch auf einem Hieb soziale Schräglagen und Konfliktzentren entschärfen.

1. wir brauchen eine seriöse Erfassung der Arbeitslosen. Zwar wäre das ein Kropf, wenn die Bevölkerung von jetzt auf gleich mit Quoten im 20% Bereich konfrontiert würde, doch ist dies die einzige Möglichkeit ein umdenken ein zu leiten

2.Einführung eines flächendeckenden Mindestlohnes (optional)

3.strikte Regulierung der Zeitarbeit. Diese könnte perspektivisch die Kurzarbeit ersetzen und könnte ähnlich strikt geregelt werden. Also nur nach Antragstellung und zeitlich streng befristet.

4. strikte Regulierung von Praktika. So darf es nicht mehr Möglich sein, ganze Produktions- und Forschungsstrecken dauerhaft mit Praktikanten zu betreiben. Sicherlich macht es Sinn, Praktika Plätze zeitlich befristet, reguliert durch Arbeitsministerium und IHK, aus zu schreiben um Bewerbern Einblick zu geben und die Ausbildung neuer Fachkräfte zu fördern.

5. Verbot der Minijobs, Euro Jobs und anderweitig geringfügiger Beschäftigungen. Denkbar wäre auch diese ebenso zeitlich zu reglementieren und von sämtlichen Abgabebegünstigungen zu befreien.

Was wir nach diesen einfachen 5 Schritte erreichen? Wir schaffen eine  ehrlichere und gerechtere Arbeit in unserer Gesellschaft. Was wir bezugnehmend auf den vermeintlichen Fachkräftemangel erreichen? Ein Vollzeit beschäftigter kann mit ein wenig Fleiß erreichen, wozu bisher drei Arbeitskräfte im 300€ Job gebraucht wurden. Wir verdreifachen somit unsere gesellschaftliche Leistungsfähigkeit und legen soziale Unruheherde trocken.

Der aufmerksame Leser wird es aber schon vor 20 Zeilen selbst gedacht haben. Niemals wird es dazu kommen. Eher importiert die deutsche Industrie Züge Weise Arbeitskräfte aus anderen Ländern um diese dann für 300€ auf 20h Basis und der Hoffnung auf einen gut bezahlten Job buckeln zu lassen, anstatt das auch nur ein weiterer unbefristeter, gut bezahlter Arbeitsvertrag ausgereicht wird. Zu groß die Gier, zu groß der Profit, zu groß der Widerstand…

 

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